Die verschiedenen Disziplinen:

  1. Hyong – Form
  2. Hosinsul – Selbstverteidigung
  3. Kyek-Pa – Bruchtest
  4. Taeryon – Kampf
  5. Grundschulung
  6. Atemtechnik
  7. Mentales Training

1. Hyong – Form

Eine Hyong ist eine Übungsform. Sie besteht aus vielen einzelnen Kampfsequenzen. In den alten Zeiten übten die Schüler noch nicht mit Partnern, aus Sorge, den Partner zu verletzen. So wurden bestimmte Bewegungsabläufe festgelegt, die Hyongs zu Deutsch Formen. Diese sind der Kampf gegen mehrere fiktive Gegner. Hier können die Angriffs- und Abwehrbewegungen ohne jedes Abstoppen mit aller Konsequenz, Stärke und Härte ausgeführt und realitätsnah geübt werden.

Die Hyong im traditionellen Taekwon-Do stellt eine Auseinandersetzung mit imaginären Gegnern dar, bei der speziell Gedächtnis, Koordination, Technik, Bewegungskombinationen und Atmung geschult werden. Ihr Ablauf ist genau festgelegt und wird zumindest innerhalb eines Systems in jeder Schule gleich gelaufen.

Ursprünglich gab es 20 Hyongs welche später auf 24 Hyongs erweitert wurden. Wiederum später wechselten manche Meister von der Hyong zur Poomse. Alle Kampftechniken im traditionellen Taekwon-Do werden in den Hyongs verwendet und trainiert. Somit können die Hyongs auch als Lexikon des Taekwon-Do bezeichnet werden.

Eine saubere und richtige Beinstellung ist ebenso erforderlich wie die richtige und schnelle Ausführung der Bein-, Hand-, und Armtechniken. Genau ausgeführt endet eine Hyong immer an der Stelle, an der begonnen wurde. Durch die Hyong kann erkannt werden, wie weit der Schüler das Taekwon-Do verinnerlicht hat, d.h. ob er die Bewegungsabläufe und Techniken verstanden hat oder sie nur nachahmt.

Nachdem eine Hyong ausgiebig geübt worden ist, können aus ihr zahlreiche Aspekte des eigenen Körpers besser verstanden, komplexere Bewegungsmuster erlernt und verschiedene Selbstverteidigungstechniken abgeleitet werden.

Vollständig verstanden und verinnerlicht wurde eine Hyong wenn der Ausführende sie auf beliebige Weise (z.B. in Front, spiegelverkehrt, versch. Richtungen, im Sitzen, nur mit den Füßen, …..) laufen kann.

Wer also den korrekten Ablauf der Hyongs erlernt hat, der wird auch in den folgenden Disziplinen, dem Chayu Taeryon, dem Hosinsul und dem Kyek-Pa, sein Können weiter verbessern.

2. Hosinsul – Selbstverteidigung
(mit und ohne Waffen)

Die koreanische Art der Selbstverteidigung.

In der heutigen Zeit hat der Eigenschutz, mental, psychisch, sowie auch physisch, aufgrund körperlicher oder verbaler Übergriffe und Mobbing (direkt oder immer mehr auch über social Media) eine immer größere Bedeutung, so auch bei uns im Unterricht. In allen Bereichen ist es wichtig zu wissen, wie ich mich in solchen Situationen verhalten soll bzw. verteidigen kann sowie welche deeskalierenden Maßnahmen ich ergreifen kann.

Menschen mit einem sicheren und selbstbewussten Auftreten, wie es durch das Taekwon-Do erreicht werden kann, werden wesentlich seltener angegriffen oder gemobbt als solche, die durch ihre Ausstrahlung und Körperhaltung ein potentielles Opfer darstellen. Auch die Wahrnehmung von möglichen Gefahrensituationen ist wichtig, um unangenehme Lebenslagen vermeiden zu können.

Im traditionellen Taekwon-Do haben alle Techniken einen Verteidigungscharakter. Im Hosinsul werden vorwiegend Verteidigungsgriffe und Hebeltechniken aus u. a. Griff, Würge- und Klammergriffen gelehrt.

Gerade Kindern und Frauen werden hier einfache Verhaltensregeln und Kniffe beigebracht, wie sie auf sich aufmerksam machen, gefährliche Situationen vermeiden und / oder sich wehren können.

Ziel sollte es dennoch immer sein, ohne Kampf der Gefahrensituation zu entgehen!

Auch der Umgang mit verbalen Angriffen, deren Folgen nicht unbedingt weniger verheerend sind wie körperliche Angriffe, wird bei uns gelehrt und geübt.

Kinder und Eltern können jederzeit zu uns kommen und aktuelle Thematiken ansprechen. Sie erhalten Tipps, Tricks sowie Techniken zum Eigenschutz von uns. Sofern es für das Kind in Ordnung ist, werden die einzelnen Vorfälle auch im Unterricht besprochen, so dass alle davon profitieren können, die Kinder zudem merken, dass sie nicht allein damit sind und ganz wichtig auch anderen Kindern ähnliche Dinge schon passiert sind.

3. Kyek-Pa – Bruchtest

Stärkung durch Willenskraft

In dieser Disziplin kommt vor allem das „Do“ zum tragen. Nicht mit roher Gewalt wird das Brett zerbrochen sondern mit der richtigen Technik, einem starken Willen, geistiger Ruhe / Fokussierung und der Vorstellungskraft es zu schaffen. Körper und Geist werden eine Einheit.

Der Weg ist das Ziel !

Das Zusammenspiel der richtigen Atmung, Fokussierung, dem unbedingten Willen gepaart mit Selbstvertrauen und der daraus resultierenden Kraft, Geschwindigkeit sowie Genauigkeit ist die „Zauberformel“ für einen, auch wiederholt, erfolgreichen Bruchtest.

Der Schüler lernt mit der Zeit sich entsprechend zu fokussieren. Seine Atmung richtig zu steuern, sämtliche äußeren und inneren Einflüsse auszublenden und den Energiefluss entsprechend zu lenken.

Sie werden lernen Ihre Ängste, Ihre Nervosität zu überwinden und zu ungeahnten Höchstleistungen fähig werden. Sie werden immer größere Aufgaben und Herausforderungen meistern. Dies gibt Ihnen die Kraft auch scheinbar unlösbare Aufgaben anzugehen und erfolgreich zu meistern. Ihr Selbstbewusstsein wird sich steigern, wodurch Sie eine positivere Grund- und Lebenseinstellung erhalten.

Der Bruchtest ist die Konsequenz ein Ziel nicht nur ins Auge zu fassen sondern auch mit einem starken Willen und dem entsprechenden Durchhaltevermögen zu erreichen.


Gib niemals auf !

Die größten Augenblicke sind die, in denen wir getan haben, was wir uns nie zugetraut hätten !

Der Kyek-Pa ist kein Trainings- sondern Prüfungsbestandteil. Er dient als Gradmesser der erlernten Techniken sowie der geistigen Entwicklung.

4. Taeryon – Kampf

Im traditionellen Taekwon-Do wird der Kampf ohne Kontakt ausgeführt. Die Techniken werden so exakt ausgeführt, dass sie kurz vor dem Ziel abgestoppt werden und dem Übungspartner genau zeigen, wo sie getroffen hätten.

Je besser der Ausführende mit der Zeit wird, um so näher werden die Techniken ans Ziel geführt. Dadurch, dass die Übungen ohne Kontakt ausgeführt werden, kann die gesamte Bandbreite der Bewegungsmöglichkeiten ausgeschöpft, die Körperbeherrschung verbessert und das Verletzungsrisiko minimiert werden. Sinn ist es nicht zu „zerstören“ sondern den Geist des Schülers aufzubauen, seine Reflexe zu stärken und seine Kreativität sowie sein Vorstellungsvermögen zu fördern. Er lernt instinktiv zu reagieren und zu kontern ohne großes Nachdenken. Weiter lernt er seinen Gegner richtig einzuschätzen und im richtigen Augenblick eine passende Abwehr- oder Angriffstechnik zu finden bzw. anzuwenden.

Dieser kontaktlose Kampf ist bis ins hohe Alter praktizierbar.

Traditioneller Freikampf (Chayu Taeryon):

Flinke Beinarbeit, hohe Kicks, spektakuläre Sprünge ohne Kontakt sind typisch für diesen Freikampf. Beiden Seiten wird eine hohe Körperbeherrschung abverlangt.

Hier gibt es zum einen den Übungs- und Vorführungskampf, in dem beide Seiten ihr können an Technik zeigen. Sie arbeiten und bewegen sich zusammen ohne sich zu treffen. Je höher der Gürtelgrad desto näher und besser das Zusammenspiel. Es sind Partner die einen Freikampf und die entsprechenden Techniken sowie die dazu nötige Körperbeherrschung vorführen.

Zum anderen gibt es den eigentlichen Freikampf ohne Kontakt. Hier sind beide Seiten im weitesten Sinne Gegner, d. h. beide Seiten versuchen die Verteidigung des anderen zu durchbrechen und dem Gegenüber zu zeigen wo er im Ernstfall getroffen worden wäre. Ohne ihn zu berühren bzw. die Angriffe bereits im Ansatz zu erkennen und entsprechend zu kontern. Dies entspricht bei einem Turnierkampf einen Punkt. Hierdurch lernt der Schüler seine Schwachstellen kennen und kann sich laufend verbessern. Es ist Schnelligkeit, Konzentration und Flexibilität gefragt.

Verboten sind Schläge unter die Gürtellinie, Faustschläge zum Gesicht sowie Angriffe zum Rücken. Des Weiteren werden sämtliche Kicks mit „langem Fuß“ durchgeführt nicht mit angezogenen Zehen (z.B. der Dollyo-Chagi wird nicht mit dem Fußballen ausgeführt sondern mit dem Fußspan), um die Verletzungsgefahr zu minimieren.

Ein-, Zwei- und Dreischrittkampf
(Ibu-, lIbu- und Sambu-Taeryon):

Der abgesprochene Ein- bzw. Mehrschrittkampf ist die Vorbereitung auf den Freikampf. Es kämpfen keine Gegner sondern Partner. Eine Seite greift mit einer bzw. mit zwei / drei Fäusten an, die andere verteidigt und umgekehrt. Der Schüler muss hierbei nach anfänglicher Unterstützung später seine eigenen Verteidigungsideen entwickeln.

Freie Handangriffe:

Auch hier kämpfen keine Gegner sondern Partner. Eine Seite greift mit einem selbst gewählten Handangriff (z. B. Handkante, Handrücken, Fauststoß, etc.) an, die andere muss sich reflexartig auf den unvorhersehbaren Angriff verteidigen und entsprechend kontern. Der Schüler muss hierbei spontan kontrolliert reagieren und agieren ohne groß vorher Zeit zum überlegen zu haben.

Safety-Freikampf:

Entspricht dem modernen Freikampf wie er vorallem in den meisten Wettkämpfen, sowie im olympischen Taekwon-Do zu finden ist. Hier wird eine entsprechende Schutzkleidung getragen (Helm, Hand- und Fußschutz). Beide Seiten sind hier im weitesten Sinne Gegner. Wir betreiben in diesem Fall nur Semikontakt nicht Vollkontakt, d.h. das Gegenüber wird nur leicht und nicht mit voller Wucht getroffen. Beide Seiten versuchen die Verteidigung des anderen zu durchbrechen und einen Punkt durch einen Treffer zu erziehlen. Hierdurch lernt der Schüler seine Schwachstellen kennen und kann sich laufend verbessern. Es ist Schnelligkeit, Konzentration und Flexibilität gefragt. Zudem wird die Hemmschwelle einen Treffer mit Kontakt auszuführen (was im Ernstfall nötig ist) überwunden und ein Gefühl für die Stärke der eigenen Schläge und Tritte entwickelt.

Verboten sind Schläge unter die Gürtellinie sowie Angriffe zum Rücken. Des Weiteren werden auch hier sämtliche Kicks mit „langem Fuß“ durchgeführt nicht mit angezogenen Zehen (z.B. der Dollyo-Chagi wird nicht mit dem Fußballen ausgeführt sondern mit dem Fußspan).

5. Grundschulung

Die körperliche Grundschule:

Die einzelnen Grundtechniken werden in unterschiedlichen Kombinationen und immer komplexer werdenden Bewegungsabläufen kontinuierlich geübt und somit in das Unterbewusstsein zur Selbstverständlichkeit eingeprägt. Hierdurch soll insbesondere die Zusammenarbeit von Körper und Geist verbessert werden.

Dadurch, dass die Übungen in verschiedene Richtungen ausgeübt werden wird auch das Raumverständnis verbessert. Zudem ist eine saubere und korrekte Grundtechnik das Fundament eines jeden Kampfsportlers und darf auch nach jahrelangem Training nicht vernachlässigt werden.

Die geistige Grundschule:

Die wichtigste Philosophie ist, dass Taekwon-Do niemals als Aggressor ausgeübt wird. Die Kampfkunst dient ausschließlich der Verteidigung. Auch wird Taekwon-Do niemals dazu benutzt um aufzufallen oder anzugeben. Wie in jedem Sport ist es natürlich wichtig, einen Ehrgeiz zu entwickeln. Aber dieser Ehrgeiz sollte nicht zu Eifersucht und Feindschaft führen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, zu lernen eine innere sowie geistige Ruhe und somit eine Fokussierung auf den Augenblick zu jeder Zeit, wenn es nötig ist oder ich es möchte erreichen zu können.

6. Atemtechnik

Die richtige Atemtechnik ist in jeder Kampfsportart besonders wichtig. Sie schützt und unterstützt, verleiht Kraft und Energie. Beim Ausatmen z.B. spannt sich der Bauch an und ist somit besser geschützt. Treffer des Gegners wirken sich weniger stark aus. Dies wird z.B. auch in Fitnessstudios beim trainieren angewandt (bei der Anstrengung wird ausgeatmet). Auch das richtige Atmen während den einzelnen Übungen ist wichtig um nicht außer Atem zu kommen oder Seitenstechen zu bekommen. Das richtige und tiefe Atmen erweitert auch das Volumen der Lungen wodurch Ihnen mehr Luft zur Verfügung steht.

Die Atmung spielt aber auch bei der Konzentration, dem Abbau von Nervosität und Stress eine große Rolle. Hier wird sie zur Fokusierung und Beruhigung genutzt.

Im Taekwon-Do ist der Kampfschrei (koreanisch Kihap) eine besonders kräftige Atemtechnik. Der Kampfschrei soll aus dem Bauchraum kommen. Ein gut ausgeführter Kampfschrei:

  • verkstärt die eigene Technik
  • kann den Gegener erschrecken
  • schützt den eigenen Körper
  • und unterstützt die richtige Atmung.

Durch zusätzliches praktizieren von Kimoodo und Yin Yoga kann die Atmung weiter perfektioniert werden.

7. Mentales Training

Körper und Geist bilden eine Einheit nur wenn beides im Gleichgewicht ist und gleiche Beachtung (Förderung / Training) erhält ist unser Körper und der Mensch an sich im Gleichgewicht und damit zu seiner vollen Leistungstärke fähig. Ein ausgeglichenes Verhältnis von Yin und Yang entsteht.

Im asiatischen Kampfsportbereich ist dies schon lange bekannt, so dass das mentale Training ursprünglich ganz selbstverständlich auch zu allen Kampfsportarten gehörte. Leider wurde dem gerade im westlichen Bereich kaum Bedeutung zugerechnet und daher vielfach nicht unterrichtet. Auch die Versportlichung des Kampfsports hat hierzu einen weiteren Teil beigetragen. Im Laufe der Zeit hat sich dieses Denken in vielen Kleinen Schritten wieder geändert, so dass heute auch das mentale Training langsam wieder immer mehr unterrichtet wird. Auch in der westlichen Medizin wird inzwischen unterstützend psychosomatisch und nicht mehr nur symptom-bezogen gearbeitet.

Taekwon-Do erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Disziplin auf verschiedenste Arten. Im Selbstverteidigungsbereich, wie auch grundsätzlich im Taekwon-Do ist es z.B. besonders wichtig ruhig und besonnen zu reagieren und die Kontrolle über sich selbst zu behalten, aber auch mit seinen Gedanken im Hier und Jetzt zu sein, um die Situation richtig einzuschätzen bzw. richtig Reagieren zu können.

Beim mentalen Training handelte es sich jedoch nicht nur um Konzentrationstraining, Willenstärke und Durchhaltevermögen sondern auch um innere Stärke, inneren Frieden/Ruhe, Fokussierung, Ausgeglichenheit, die Verbindung zu uns selbst, was durch verschiedene Atem- und Entspannungstechniken erreicht wird. Gerade dieser Teil ist für eine ausgeglichene Beherrschung von Körper und Geist besonders wichtig.

Ein starker Körper braucht einen starken Geist sowie innere Ruhe und umgekehrt. Mein Training beinhaltet daher auch verschiedene gezielte Atem- und Entspan-nungstechniken um einen größeren Trainingserfolg zu erreichen, aber auch um dem Abschalten der rotierenden Gedanken sowie der Ruhe und Entspannung die wir heute genauso dringend wie Bewegung nötig haben, Raum zu geben.

In dem ich mit meinen Gedanken im Hier und Jetzt verweile entsteht zudem eine Art bewegte Meditation, die es unserem Geist möglich macht den stressigen Alltag auszuschließen, was sich äußerst positiv auf das Gesamtempfinden auswirkt. Durch das Erlernen komplexer Bewegungsabläufe werden Aufmerksamkeit und Koordination und Konzentration erheblich verbessert. Auch auf die Entwicklung des Selbstbewusstseins nimmt Taekwon-Do einen positiven Einfluss. Durch das wiederholte, stetige Setzen und Erreichen neuer Ziele wird eine Erfahrung ermöglicht, die nur durch das eigene Erleben, das eigene Tun gelingen kann. Beim Lernen und Ausüben des Taekwon-Do kann somit eine neue Sicht auf die eigene Leistungsfähigkeit, und dadurch ein neues, verändertes Selbstbild entstehen.